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Junge Talente:

Liedermacher "Verspielt"

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Junge Talente: Leidenschaft und Zweifel

Interview mit dem Liedermacher-Duo "Verspielt": Anna und Mirja Lendt
Aufmerksam auf diese beiden Liedermacherinnen wurde ich durch eine Sendung des "Verspielt" Anna und Mirja LendtStadtradios Göttingen im März 2006. Mit zwei Gitarren, frisch und unkompliziert spielten sie live ihre Lieder, mal humorvoll, mal nachdenklich mit hervorragender Zweistimmigkeit. Tempo und Lautstärke variieren von sehnsuchtsvoller Zarte bis kraftvoll und fetzig. 
Die Texte, pointiert und mit überraschender Tiefgündigkeit, spiegeln ihre Visonen wider von den eigenen Utopien, politischen Zwängen und der Liebe.

Bei einem Konzert im Café Kreuzberg in Göttingen, erlebte ich das Duo schließlich live auf der Bühne. Mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz begeisterten sie das Publikum.
Anna Lendt mit ihrem sympathischen Lächeln und Mirja Lendt, die gekonnt mit Augen
und "R" rollte. - Anschließend interviewte ich die beiden.
La.L


Lara Legano:

Anna Lendt:




Mirja Lendt:



Anna Lendt:

Mirja Lendt:



Mirja Lendt:


Anna Lendt:


Mirja Lendt:




Mirja Lendt:




Anna Lendt:


Mirja Lendt:




Mirja Lendt:

Anna Lendt:


Mirja Lendt:

Anna Lendt:




Mirja Lendt:




Anna Lendt:




Beide:

Mirja Lendt:





Mirja Lendt:





Anna Lendt:


Mirja Lendt:


Anna Lendt:



Anna Lendt:


Mirja Lendt:








Anna Lendt:



Mirja Lendt:



Mirja Lendt:




Mirja Lendt:










Anna Lendt:








Beide:

Anna Lendt:


Mirja Lendt:






Musa Göttingen



Mirja Lendt:



Anna Lendt:
Anna und Mirja, seid wann musiziert ihr gemeinsam?

Meine Schwester und ich haben schon immer gern zusammen gesungen, Sketche ausgedacht und eigene Playbacks einstudiert, z. B. von Ougenweide. In unserer Familie wurde viel gesungen. Mein Vater hat mir dann das Gitarrespielen beigebracht und irgendwann haben wir privat am Waldsee in Lindenberg was gespielt und dass klang ganz gut.

Als ich in Augsburg zur Schule ging, haben wir ab und zu Straßenmusik gemacht, da wir kein Geld hatten.

Ist also Geldmangel euer Antrieb gewesen, öffentlich zu spielen?

Einerseits ja, aber auch weil wir immer Spaß daran hatten.

Antrieb? Na ja, vielleicht hat es dazu beigetragen, dass wir uns endlich in die Öffentlichkeit wagten.

Wie seid ihr auf den Band-Namen "Verspielt" gekommen?

Auf der offenen Bühne haben wir uns mitunter vor lauter Aufregung oder weil wir
Lachanfälle bekamen, verspielt und da ...

Wir brauchten dringend einen Namen und das passte einfach zu uns, ist ja auch ein bisschen
zweideutig gemeint.

... und jetzt haben wir eine gute Ausrede, wenn wir uns mal verspielen.
Wir sagen dann: "deshalb unser Name Verspielt ..." und das Publikum muss lachen.

Was meint ihr unterscheidet euch von anderen Liedermachern?

Die meisten Liedermacher haben heute vorwiegend fröhliche, lustige Texte.
Wir wollen das Publikum auch zum Nachdenken anregen und gestalten unsere Musik und die Texte abwechlungsreich. Wir legen Wert auf Realitätsnähe; schreiben darüber, was uns aufregt oder bewegt, ob ernst, ironisch oder lustig.

Wir hören auch gern unterschiedliche Musik, ob Klassik, Jazz  Blus, Punk, Rock oder Ska. Das ist wohl der Grund, weshalb wir keinen Einheitsbrei produzieren wollen.

Wenn ich mir das so überlege, passt "Liedermacher" eigentlich nicht so richtig.

Ihr legt also großen Wert auf Individualität. Euer Outfit ist, vorsichtig formuliert, recht interessant.
Aber warum tragt ihr Klamotten, die teilweise zerrissen sind?

Blöde Frage ...

Warum tragen Sie eine Jeans und einen rosa Pulli? Wir wollen weder vom Aussehen noch von den Texten her in irgendeine Schublade gesteckt werden.

Viele wollen uns katalogisieren ... Punk, Hippies, Autonome ...

Wir sind auf keinen Stil festgelegt, wir leben so, weil wir Bock darauf haben.
Das ist unser Protest gegen Normalität, Konservative, Einheitsbrei, Graue Herren.

und deswegen müssen die Klamotten kaputt sein?

Einerseits mach ich mir wirklich nichts draus, andererseits fehlt mir auch das Geld.

Bei den Angaben zu euren Liedern steht nicht, wer den Text und wer die Musik entwickelt hat.
Gibt es unterschiedliche Schwerpunkte? Wer schreibt, wer komponiert?

Die neuen Lieder sind gemeinsam entstanden. Wir schreiben zwar beide die Texte oft allein, setzen uns dann aber zusammen und üben gegenseitige Kritik.

Seid ihr dabei immer einer Meinung?

 Nein!

Wir diskutieren häufig sehr inentsiv.
Den größten Streit gibt es, wenn wir überlegen, welche Lieder bei einem Konzert
gespielt werden sollen.

Wie einigt ihr euch dann?

Erst sind wir kurz schlecht gelaunt, doch wir verstehen uns ohne Worte und es ist bald wieder alles in Ordnung. Auf Leute, die uns dabei erleben, wirkt das seltsam, da unser Dialog in kurzen gegenseitigen Bestätigungen abläuft: "Ach, ja!  - Genau! - Ja, mach ich! - Na, gut!

Welche Erwartungen habt ihr über eure musikalische Zukunft?

Utopisch gesehen, davon leben zu können. Realistisch gesehen, freuen wir uns über jeden kleinen Erfolg und bauen uns nebenbei eine berufliche Zukunft auf.

Es ist uns wichtig, ein breites Publikum zu erreichen. Konzerte bringen Spaß. Es freut mich, wenn auch nur wenige da sind, die aber gut zuhören und mitmachen.

Unser Wunsch ist es, andere Menschen mit unseren Texten zum Nachdenken anzuregen.

Wie seht ihr Chancen und Barrieren, um erfolgreiche Liedermacher zu werden?

Kontakte sind wichtig ... zu Veranstaltern,  zu anderen Musikern.
Möglichst viele Auftritte. Im Internet sind wir schon zu finden unter >>> Liedermacher-Verspielt

Leider reagieren viele Veranstalter ablehnend auf Anfragen, wenn man noch keinen bekannten
Namen hat. doch wie soll man bekannt werden, wenn einem keine Möglichkeit gegeben wird.
Auch das Aussehen spielt eine große Rolle, das finden wir Scheiße. Gerade bei den Frauen.
Nur mit super Figur und Hochglanz-Styling hat man eine Chance. In dieser Scheinwelt geht es nur um perfektes Äußeres.

Anna erwähnte, dass ihr euch nebenbei eine berufliche Zukunft aufbaut.
Gibt es schon konkrete Vorstellungen?

Erst mal will ich arbeiten und Geld verdienen, damit ich mir vielleicht eine Ausbildung als "Makeup-Artist"
leisten kann. Mein Traum ist es, für Theater oder sogar Film und Fernsehen Masken zu kreieren.
Ich habe gerade mein Abi an der Fachoberschule für Gestaltung geschafft.

Ich studiere ab Wintersemester an der Uni Göttingen deutsche Philologie und Religionswissenschaften.

und nach dem Studium?

Das darf man keine 22jährige fragen.
Wir hoffen, dass wir mit unserer Musik erfolgreich werden, dann steht das für uns im Vordergrund.

Habt ihr noch andere Interessen neben eurer Musik?

Mirja bildJa, Schauspielerei ist meine zweite Leidenschaft.  Ich spiele im Jugendclub des jungen theaters Göttingen.

Ich male und zeichne auch gern, schreibe Gedichte und kurze Texte. >>> siehe Lyrik
Bin oft draußen in der Natur, fahre Fahrrad oder kümmere mich um Ronja,
meine kleine Nichte.
Und natürlich besuchen wir so oft es geht Konzerte, am liebsten SKA-Konzerte.
   Bild Mirja Lendt

und Anna?

Foto Regen-Fenster von Anna Lendt
Bei mir steht alles Kreative im Vordergrund. Bemale Wände, Möbel, Kleidung, Taschen, Menschen ... nichts ist vor mir sicher ...  Ich fotografiere auch gern.   
>>>  Foto "Regen-Fenster"
Ich liebe es auch, einfach nur zu feiern und auf Konzerte zu gehen. Außerdem sind wir beide Fans von Video-Abenden.

Wer hat eure CDs hergestellt?

Wir!

Wir machen fast alles selbst, brennen die Lieder auf CD, gestalten Cover und Inlet, drucken sie aus.

Unsere erste CD Linksbido wurde von Jan Sperhake aufgenommen. Jetzt haben wir Unterstützung durch Stefan Paech, der die Lieder aufnimmt, bei uns Zuhause.
Er schneidet auch  Live-Aufnahmen unserer Konzerte mit.

Wann und wo ist euer nächstes Konzert?

Am 2. September in der Musa in Göttingen, Lokalderby Teil 3.

Es gibt ein Live-Konzert mit Tetrafuck, SCAD, The Overdraft und Verspielt.

Auf einer richtig großen Bühne. - Uns zittern jetzt schon die Knie, weil dort schon einige bekannte Bands gespielt haben, zum Beispiel die mexikanische Ska-Band Panteón Rococó.


Ich drück euch die Daumen, dass alles gut geht!
und jetzt könnt ihr noch ein paar Worte zum Schluß des Interviews von euch geben.

Es wäre schön, wenn mehr Menschen sich trauen würden, einfach nur Mensch zu sein und dies auch von den anderen respektiert werden würde. Frei von Vorurteilen, Klischees, Trends, Oberflächlichkeit.


Ich würde mich freuen, wenn mehr politische und kritische Lieder gespielt werden würden,
ernste Themen, die zum Nachdenken anregen.

Der Musiker Yok Quetschenpaua hat mal gesagt: "Ich fordere Respekt statt Toleranz!"
Dem kann ich nur zustimmen. Wer sagt, dass er tolerant ist, wirkt überheblich.
Sich gegenseitig zu respektieren, stellt beide auf eine Ebene.

Schöne Schlußsätze! Danke für das Interview.

La.L
 
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