Weltenbummler erzählen















Bemerkungen zur Reise

Die Anreise nach Spanien haben wir mit einem Transportmittel gemacht, das uns neu war, nämlich mit Langstreckenbussen, die ein verzweigtes Liniennetz quer durch Europa bedienen.

Obwohl kostengünstig und luxuriös ausgestattet, mussten wir das Einschlafen erst erlernen.

Wer sich dafür interessiert, frage bei Reisebüro oder Busbahnhof nach Deutsche Touring/Eurolines.

Aus verschiedenen Gründen machten wir einen Umweg über San Sebastian/Donostia irn Baskenland, um dann in Pamplona auf den Pilgerpfad zu stoßen. Als Führer hatten wir von Ulrich Wegner
"Der Spanische Jakobsweg" (DuMont Köln 1995) mit Karten, Einführung in die Geschichte, Stadtrundgängen usw.

Von unseren vielen Fotos bringe ich nur einige, schließlich soll der Beitrag nicht zum erschöpfenden Bericht ausufern. Dennoch hier einige allgemeine Bemerkungen.
Estella
Das Reisen per Anhalter entpuppte sich als zunehmende Katastrophe. Überlandbusse sind kosten- günstiger als die Bahn; mancherorts sind allerdings die Haltestellen nicht gekennzeichnet, da hilft nur fragen, allerdings haben wir auch falsche Auskünfte bekommen. Wegen Sohn Lorenz, 12, gab es öfters die Diskussion, ob er nun über oder unter dem Preislimit sei; leider konnte ich meine sparsame Ansicht nicht immer durchsetzen.
 

 Reise-Tagebuch - Der Jacobsweg im Sommer 1997


Wieland UlrichsDer Pilgerpfad nach Santiago und die Musik dazu.
Im Sommer 1997 erfüllte ich mir zusammen mit meinem Sohn einen alten Traum, nämlich einmal zumindest ungefähr entlang des Jakobspfades nach Santiago de Compostela zu reisen. Nicht, dass uns Religiosität trieb; wir hatten auch nicht vor, den ganzen Weg zu wandern oder uns unablässig zu geißeln. Mehr interessierte uns der Umstand, dass entlang des Weges Baudenkmäler wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht sein sollten - und überhaupt die Jakobspilgerei als kulturgeschichtlicher Meilenstein Europas.

1291 eroberten die Mohammedaner die letzten christlichen Besitzungen in Palästina, womit die alptraumhaften Kreuzzüge ein Ende hatten. Und damit waren Kapazitäten frei, um den Kampf gegen die Mauren alias Araber in Spanien zu intensivieren. Rachegelüste mögen eine Rolle gespielt haben; dabei erlebte Spanien unter der Maurenherrschaft eine ungeahnte kulturelle Blüte, die es möglicherweise nie wieder erreichte. Moslems, Juden und Christen lebten jedenfalls in liberaler Ordnung. Insofern gehört die Ära der Kreuzzüge zur Vorgeschichte. mmm
Kommen wir nach Spanien! Mozarabisch, also nicht-arabisch oder besser "arabisiert" nannte man die spanischen Christen unter arabischer Herrschaft. Ihre Liturgien waren älter als die maurische Zeit und stammen aus der Zeit der Westgoten (466-711), weshalb man auch vom altspanischen oder westgotischen Gesang spricht. Eine CD bedient sich aus Manuskripten einer Renaissance des Stils in Toledo um 1500:
Eine etwas bunt zusammengestellte CD stimmt uns auf die Volksmusiken aus Spaniens Norden entlang des Kantabrischen Gebirges ein:
Von Pamplona ging es nach Puente la Reina, wo - wie der Name andeutet - eine navarrische Königin im 11. Jahrhundert eine Brücke für die Pilger bauen ließ, was für eine kleine Ansiedlung sorgte mit Kirchen, Hospizen und Adelshäusern, die sehenswert ist. Das spanische Bundesland Navarra ist übrigens zur Hälfte von Basken bewohnt.

Danach fuhren wir nach Estella, der Ort wurde Anfang des 12. Jahrhunderts gegründet, wo sich ein geheimnisvoller Stern (lat. Stella) gezeigt haben soll.

EstellaÜberhaupt: Der auf der Jakobslegende basierende Pfad wurde legendentechnisch bald zum Selbstläufer, gab es doch allerorten verkehrsfördernde Heilige, Erscheinungen usw., die zu weiteren Legenden wurden. In Estella gab es für uns die ersten Feigen zu klauen (die grünen sind nicht so furchtbar süß wie die ganz reifen), wir genossen die kleine Stadt mit der Überdosis von Kirchen und besuchten in einer Ecke des großen Platzes eine CD- und Buchhandlung, die in Sachen Folklore recht gut sortiert war.

In den Zeitungen wurde gerade die altbekannte baskische Folkgruppe Oskorri anlässlich 20-jährigen Bestehens gefeiert, wir jedoch kauften eine Kassette, die uns ein junger Einheimischer empfohlen hatte:
Von Estella unternahmen wir einen Ausflug zum Monasterio Santa Maria de Irache, welches eine moderne Weinkellerei betreibt. An dieser gibt es eine Fuente de vino, eine Quelle mit Hähnen für Wasser und Wein, damit sich die Pilger laben können, die zugleich auf einer Tafel vor Missbrauch gewarnt werden. Im 958 erstmals erwähnten Kloster wurde umgebaut, doch wegen Siesta war niemand da. Die ausgeräumte mozarabische Kirche aus dem 12./13. Jahrhundert war für mich ein Erlebnis: so hell und freundlich hatte ich noch keine Kirche empfunden.

Camino Francés - der klassische Jakobsweg
Der Jacobsweg
von den Pyrenäen nach Santiago

MudejarAls nächstes kamen wir nach Logroño, der Hauptstadt des kleinsten Bundeslandes La Rioja (vom Fluss Rio Oja) am Ebro, den wir auf der von Gustave Eiffel erbauten Stahlbrücke überquerten. Die Landschaft war recht seltsam; die Berge sahen fast wie Abraumhalden aus. In La Rioja wie auch in Kastilien sieht man solche häufig; sie verdanken ihre Entstehung der Tatsache, dass vor Urzeiten diverse Flüsse mehrfach ihre Richtung geändert haben.

Von der Landstraße aus sahen wir trickreiche Bewässerungskanäle; Vorläufer dazu hatten bereits die Araber angelegt. Auf dem Turm der Kathedrale nisten Störche, die hier wie im alten Königreich León sehr häufig sind. Da Sohn Lorenz wie auch ich noch Bartholomäus mit Vornamen heißen, mussten wir natürlich noch zur Kirche San Bartolomé mit dem mudejaren Kirchenturm, Pisa-Faktor inklusive.



Mudejaren waren Araber in christlichen Diensten; sie wurden als Handwerker und Baumeister hochgeschätzt. Typisch für sie sind Backsteinbauten, häufig mit huteisenförmigen Bögen.


 Der Jacobsweg Seite 2  Der Jacobsweg Seite 2 








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Texte und Fotos

© Wieland Ulrichs

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Die Jacobslegende

Ob man die Legende nun glaubt oder nicht: die Reise war beeindruckend, Musik dazu gibt es reichlich, und obwohl wir uns im wesentlichen im Norden Spaniens aufhielten: der arabische Einfluss zu früheren Zeiten ist nicht zu leugnen und - wider Erwarten - auch bei uns allgegenwärtig.

Ansonsten war die Reise ein Seh-Erlebnis ersten Ranges und privat auch ein nettes "Vater-und-Sohn-Ereignis".

Die zu großen Teilen dubiose Jakobslegende »








Die Legende von
Santo Domingo

Amüsant ist auch die die Legende von Santo Domingo de la Calzada.

"Es war einmal vor etlichen hundert Jahren, dass sich ein Ehepaar mit seinem heran- gewachsenen Sohn auf die Pilgerreise nach Santiago de Compostela machte. Dabei kehrten sie in Santo Domingo de la Calzada in einer Herberge ein. Die herangereifte Tochter des Wirtes fand großen Gefallen an dem schmucken Pilgerjüngling ..."

Die Legende von Santa Domingo »




















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