Weltenbummler erzählen


















Zur Transkription der Namen

Russisch ist nach "deutschem Klang" notiert.

Für Georgisch und Armenisch wurde die dort z.B. auf den mehr- sprachigen Ortsschildern (nicht immer konsequent) verwendete Umschrift benutzt, die sich an der vereinfachten Transkription der arabischen und jiddischen Sprache orientiert.

r
ch
kh
z
s
v
j

immer gerrrollt
tsch
wie ch in fauchen
stimmhaftes s wie in Vase
scharfes s wie in Gasse
wie unser w
wie in Journal

… interessant sind die Häufungen von Konsonanten. Wenn Sie die Provinzstadt Akhaltzikhe beherrschen, wagen Sie sich mal an Mtkvari…

Geld(er)

USD:
Türkische Lire:
Georgische Lari:
Armen.  Dram:

US-Dollar
1,6 Mio = 1 Euro
2 = 1 Euro
300 = 1 Euro



 Reise-Tagebuch - Der Kaukasus-Trip  Sommer 2002


Anna und Wieland UlrichsMontag, 15. Juli 2002

Zug ab Göttingen 9:11. In Frankfurt längliches Warten. Das Flugzeug soll um 14:10 starten, tut es aber erst gegen 15 Uhr. Kein Charterflug, sondern ein regulärer und nicht ganz billiger Flug mit Turkish Airlines hat seine Vorzüge: Sessel, sauber, mehrfach Getränke, ein mehrgängiges Menü mit Porzellan. Bildschirme zeigen an, wo wir sind, wie hoch usw. und kündigen planmäßige Landung in Ankara für 18:38 OEZ an. Trotz der Verspätung beim Start landen wir auf die Minute genau.

Blöde Pass-, keine Zollkontrolle, gewisses Chaos. Anna muss
aufs Klo, ich studiere einen Stadtplan, wir wollen doch zum Otobüs Terminali. Finde auch einen Bus dorthin, der gar Euro nehmen will, doch bis ich mit Anna und Gepäck komme, ist er weg.

Ein junger Türke spricht uns auf Englisch an, geht mit Anna Geld wechseln und hält einen 5 Min. späteren Bus extra fest. Für irgendwelche Millionen Lire fahren wir dann eine gute halbe Stunde, bis wir tatsächlich an einem riesigen Busbahnhof sind.

Wo jetzt? wie? wann? Es ist 19:30. Anna spricht einen offizieller Aussehenden an, der Mini-Englisch spricht und mich bei einem Schalter abliefert, wo jemand halbwegs Englisch spricht. Man schickt mich ein paar Schalter weiter. Nichts. Informationskabuff? Nix Englisch. Lande wieder beim ersten Schalter. Aha! Nach Trabzon? Ja, dahin fährt gerade jetzt ein Bus, der ist aber voll. Morgen früh um 7:30 der nächste, kostet umgerechnet 16 Euro pro Nase. Gut, komme wieder.

Wieder nach unten zu Anna und dem Gepäck. Was nun? Erstmal was trinken. Mit Mühen bestellen und bekommen wir zwei Spezi. Ich frage den Ober nach einem billigen Quartier. ?? Am Nebentisch das Mädel spricht Englisch und bietet uns an, uns zu einem Taxifahrer zu bringen, der uns zu einem 20-Mio-Lire-pro-Nase-Hotel (vulgo ca. 12 Euro) fahren soll. Danke. Längere Fahrt offenbar in die Altstadt, Lire reichen nicht mehr, 15 Mio soll das Taxi kosten. Inzwischen hat ein Mensch die Rucksäcke in ein halbwegs respektables Hotel geschleppt. 45 Mio für beide inkl. Bad, TV und Frühstück soll es kosten, also knapp 30 Euro, ist ok.
Das Zimmer ist halbwegs manierlich, sauber …

Noch ein Imbiss? Bier? Wir gehen um zwei Ecken und landen bei einer Art Bazar/Bushaltestelle, wo sich der Schmutz türmt, ein Kassettenladen lärmt, wilde Katzen stöbern. Wir kaufen Gebäck, Anna was extrem Honig-Klebriges. Drüben gibt es (lechz) kaltes Efes-Bier 0,5, das in passende Papiertüten verstaut wird wegen der Islam-nötigen Diskretion. Aber draußen die Reklame ist groß und hell, und viele Leute kaufen …

Wir setzen uns gegenüber auf ein paar Treppenstufen, essen, trinken, reden und schauen. Leute grüßen uns: Merhaba, willkommen. Der Typ vom Kassettenladen schenkt uns Nüsse und bietet Haschisch an. Da: der Muezzin legt los, im Duo/Stereo mit einem in der Nähe, sofort ist die Kassettenmusik aus. Dann sollen wir unbedingt in den Kassettenladen kommen, eher eine Bude. Ob die Musik gefällt, Ankara usw. Ich bekomme ein Feuerzeug geschenkt und im Laufe des Abends auch zwei Kassetten. Wir sind Freunde. Anna geht schon mal schlafen ins Hotel, ich muss noch ein Bier auf die deutsch-türkische Freundschaft trinken.


Dienstag, 16. Juli 2002

Der Wecker geht um 5:30. Duschen, Packen, unten eine Art Frühstücksbüffet mit
starkem (!) Tee zum Verdünnen mit heißem Wasser. Das Taxi zum Otobüs Terminali kostet die Hälfte von dem gestern in der anderen Richtung. Wir sind dort um kurz vor 7, am Schalter heißt es, der Bus geht um 7, zwei Tickets für 33 USD. Türkischer Zeitausgleich: Der Bus fährt um 8. Wir sitzen ganz vorne.

Es folgen fast 14 Stunden Busfahrt mit mehreren halbstündigen Pausen. Die erste Hälfte geht nordöstlich durchs anatolische, häufig steppenartige Bergland. Überall Ausbau auf vier Spuren, ständig Abschnitte im Kriechtempo. Dazwischen fährt er aber wie der Henker. Zweite Hälfte an der Küste nach Osten.
Restauriertes Luxusgeschäft aus der Zarenzeit in Batumi
Gegen 22 Uhr sind wir am Busbahnhof von Trabzon. Es gibt nur eine Linie nach Georgien, und die fährt morgen früh um 6. Wir sind dagegen und gehen mein altes Traum-(?)-Hotel Benli Palace suchen. Es ist dunkel und heiß und geht furchtbar bergauf. Da bei der Moschee müsste es sein … Nix. Nette Leute zeigen den Weg zum großen Platz: wir sind zu weit bergauf gegangen (ächz, schwitz), und es war die falsche Moschee. Hotel: 10 Mio, ok, 4. Stock (au wei). Das Zimmer ist sehr dürftig, aber die Betten sind sauber. Dachterrasse.

Wir gehen dort essen, wo ich schon vor zwei Jahren war. Der zweite Geldautomat funktioniert. Im Restaurant — eher türk. Fast Food — ist es warm, aber das per Fingerzeig ausgesuchte Essen tut gut.


Und nun der interessante Nachtrag zur langen Busfahrt. Irgendwo sind ein paar bewaffnete Soldaten mit einem Gefangenen in Handschellen zugestiegen, die letztlich bis Trabzon mitfahren. Etwa zwei Stunden vor dem Ziel gibt es einen Stau, der extrem lang ist, wie man mit einem Blick weit voraus entlang der kurvenreichen Küstenstraße sehen kann. Kein Gegenverkehr. Der Busfahrer fährt ziemlich dreist — finden wir — einfach am endlosen Stau vorbei. Lauter Leute sind entrüstet. Schließlich werden wir von Soldaten aufgehalten. Der Soldat im Bus, der am lautesten geschnarcht hat, kommt nach vorne. Irgendeine kürzere Diskussion, der halbe Bus lacht — und wir fahren weiter am (entrüsteten) Stau vorbei. Schließlich: Soldaten, Bulldozer, hier werden Felsen abgeräumt. Wieder Diskussion, Gelächter, der Bulldozer schaufelt die Straße frei, wir fahren weiter.

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Texte und Fotos

© Wieland Ulrichs

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