Weltenbummler erzählen















 Reise-Tagebuch über Ruanda / Uganda November 2005


Straßenszene in Kigali

Nach einem halben Tag und einer Nacht fast ohne Schlaf, bin ich mit Heinz morgens in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, gelandet. Unser Fahrer Amon von Vulkanoes Tours hat sich etwas verspätet, aber dann ging es los. Zuerst eine kleine Rundfahrt in Kigali. Es ist sehr schön und weitläufig auf unzähligen Hügeln gelegen, da kommt Rom mit seinen 7 Hügeln nicht mit.



In Kigali gibt es keine besonderen Sehenswürdigkeiten außer dem Memorial Center. Wir sind durch das Regierungsviertel gefahren und durch die Geschäftsstraßen. Die Hauptstraßen sind geteert, und die Stadt machte insgesamt einen netten sauberen Eindruck. Die Nebenstraßen sind Naturstraßen, und es waren viele Leute zu Fuß unterwegs.

Wir haben das Memorial Center besucht. Ein Guide hat uns erst im Garten ein wenig herumgeführt und uns die Massengräber gezeigt. Dort sind 260.000 Tote begraben, und es gibt noch viele solcher Stätten in Ruanda. Das neu gebaute Museum war sehr gut und anschaulich gestaltet. Man ging von einem Raum in den nächsten und jeder hatte seinen eigenen Themenbereich, der durch Bilder und Geschichten dargestellt war.

Ruanda - Uganda Karte
Früher haben die Tutsi und die Hutu friedlich miteinander gelebt. Sie haben eine gemeinsame Sprache, und der einzige Unterschied war, wenn jemand mehr als
10 Rinder besaß, war er Tutsi, und bei weniger als 10, war er Hutu.
Dann kamen Kolonialmächte, zuerst die Deutschen, die aber schon nach einem Jahr von den Belgiern abgelöst wurden. Die Belgier haben schließlich die Hutu gegen die Tutsi aufgehetzt, und mit dem friedlichen Zusammenleben war es vorbei. In den 90er Jahren wurde es so schlimm, dass 90 % der Tutsi ausgerottet wurden. Die restlichen
10 % sind in die umliegenden Nachbarländer geflohen, und von dort mittlerweile zurückgekehrt.


Im oberen  Stockwerk waren dann Beispiele aus anderen Ländern wo ebenfalls ein Genozid stattgefunden hat. Es fing an mit Armeniern, Juden, Khmer und Jugoslawen. Vielleicht habe ich etwas vergessen, aber das ist auch nicht so wichtig. Am beeindruckendsten von der ganzen Ausstellung war für mich zum Schluss ein Raum mit großen Kinderbildern. Darunter stand immer ein Text: wie das Kind hieß, sein Alter, das Lieblingsgetränk und die Lieblingsspeise, sein liebstes Spielzeug, seine besten Kameraden oder Freunde, was das Kind für einen Charakter hatte, und wie es zu Tode gekommen ist, zum Beispiel mit einer Machete zerhackt, an die Wand geworfen, erschlagen, erschossen und so fort. Auf den meisten Bildern waren ganz süße lachende Kinder. Manche davon waren noch Babies - deren Lieblingsgetränk war Muttermilch - die ihren Müttern aus den Armen gerissen und ermordet wurden. Das hat mich dermaßen berührt, dass ich geweint habe. Ich war ganz aufgewühlt und habe lange gebraucht, mich wieder zu beruhigen.

Virunga
Später am Nachmittag sind wir zum Virunga Nationalpark aufgebrochen. Die Landschaft unterwegs war unglaublich schön, sehr gebirgig und anscheinend sehr fruchtbar. Überall waren Felder, wo etwas angebaut wurde, selbst an den steilsten Hängen waren Terrassen-Felder, die alle per Hand bearbeitet wurden. Wir haben nirgends Zugtiere gesehen, die etwa einen Pflug gezogen haben, geschweige denn irgendwelche landwirtschaftlichen Maschinen.

Ruanda scheint ziemlich dicht besiedelt zu sein, es waren ständig sehr viele Menschen zu Fuß unterwegs, manche auch mit dem Fahrrad, das aber meistens mit irgendwelchen Lasten beladen geschoben wurde. Wer will auch schon bei diesen steilen Bergen fahren.

Autos waren sehr wenige zu sehen, wenn man mal von der Hauptstadt absieht, wo es schon einige Fahrzeuge gibt. Fast überall, wo wir vorbei kamen, haben die Leute freundlich gewunken. Nach gut zwei Stunden hatten wir die Virunga Lodge erreicht, wo wir die nächsten drei Nächte verbringen wollten. Die Lodge liegt auf einem Berg, ca. 2.300 m hoch, und man hat einen atemberaubenden Ausblick von unserer Terrasse.Virunga Vulkane

Rechts sind drei der Virunga Vulkane, die am Gipfel meistens von Wolken umhüllt sind.

Virunga Vulkan









Virunga See
Ein malerischer See mit Fjorden und kleinen Inseln.
Die Vögel zwitschern und die Grillen zirpen.

Tagsüber waren es etwa 25 °C, aber abends wird es doch frisch. Die Lodge hat kein fließendes Wasser und keinen Strom. Zum Duschen wird warmes Wasser in einen Sack, so groß wie eine Tonne, eingefüllt, und abends werden Petroleumlampen ausgeteilt. Nach dem Abendessen fanden wir sogar eine Wärmflasche in unseren Betten.

Info:

Der Virunga-Nationalpark – gegründet 1925 – ist der älteste Nationalpark Afrikas. Wie Bwindi ist auch er Weltnaturerbe der UNESCO. Denn mit ihrem Mosaik verschiedenster Ökosysteme beheimaten beide Gebiete eine biologische Vielfalt von globaler Bedeutung. Faszinierende Bergregenwälder an den Hängen aktiver Vulkane, die letzten Berggorillas und nicht zuletzt Diane Fosseys packende Schilderung deren Schicksals machten ihn weltberühmt.

Der Virunga-Nationalpark mit über 700 Vogelarten und 200 Säugetierspezies ist eine der Regionen mit der größten biologischen Vielfalt in Afrika. Der Park ist Teil des Virunga-Massivs, in dessen Regenwäldern rund die Hälfte der letzten 700 Berggorillas leben.

Acht Vulkane gibt es im Grenzgebiet zwischen Ruanda, Uganda und Zaire. Höchster Vulkan: Karisimbi 4507 Meter
Gorilla - Familie
Am nächsten Morgen ging es früh los, gleich nach dem Frühstück um viertel nach fünf. Im Nationalpark Center mussten wir uns eintragen, bekamen zwei Guides, zugewiesen. Pascal und Fancois, erzählten uns etwas über die Gorillas und dann ging es los. Berggorillas leben in Höhen ab 2.400 m. Die Luft war schon ganz schön dünn und ich bin schnell aus der Puste gekommen. Allzu weit mussten wir aber nicht gehen bis wir zu den Gorillas kamen. Es war eine Familie mit einem Silberrücken, 9 Weibchen und
7 Kindern.
Gorilla Kind
Wir trafen sie auf einer kleinen Lichtung, wo sie sich gerade ausgeruht haben. Nur die drei kleinsten Kinder, das jüngste war 10 Monate alt, haben gespielt. Die waren so süß. Das Kleine war neugierig und kam gleich auf uns zu, aber man darf sie nicht näher als einen Meter an sich ran kommen lassen, dann muss man langsam zurück gehen. Die Mutter hat es dann am Beinchen gepackt und zurück gezogen.
Gorilla - Silberrücken
Die meisten der Gorillas hatten sich hingelegt und das Kleine ist auf ihnen herum geturnt. Es ist auf den dicken Bauch seines Vaters geklettert und dann wie auf einer Rutschbahn herunter gerutscht. Beim ersten Mal hat es ganz verdutzt geguckt, aber dann ist es gleich wieder hinauf, und das Spiel hat ihm anscheinend Spaß gemacht. Die anderen beiden kleinen haben sich gebalgt, Purzelbäume geschlagen und miteinander gespielt. Aber alle waren ganz still. Wir durften eine Stunde bei den Gorillas bleiben und sie beobachten. Es war so ein tolles Erlebnis, ich hätte nie gedacht, dass man so nah an die Gorillas heran kommt.

Info:

Die Berggorillas sind die engsten Verwandten des Menschen. Sie leben in kleinen Gruppen (bis zu 50 Tiere), die jeweils von einem kräftigen Männchen, dem Silberrücken, angeführt werden.
Die Berggorillas wurden durch den Verlust ihres Lebensraums und durch Wilderei innerhalb des letzten Jahrhunderts an den Rand des Aussterbens gebracht. Trotz des langwierigen Bürgerkriegs in der Region hat sich der Bestand der bereits verloren geglaubten Menschenaffen auf rund 700 Tiere erhöht.

In den Virunga-Bergen essen Gorillas gern das Mark von Bambusstengeln. Ansonsten stehen auch wilder Sellerie, Labkraut, Disteln, Beeren und andere vegetarische Köstlichkeiten auf dem Speiseplan. Fleisch essen Gorillas nur in Gefangenschaft.

Gorillas sind die größten Menschenaffen, friedlicher als die meisten Affen und auch als der Mensch. Bei aufgerichtetem Körper und mit durchgedrückten Knien können Gorillas bis zu
2,30 m groß werden.

Jede Gruppe hat eine Heimat, ein eigenes Revier von etwa 25 bis 40 Quadratkilometern Größe. Darin wandern sie auf der Suche nach Nahrung umher.

In den Virungas gibt es nur noch ca. 350 Berggorillas.
Sie wandern ständig zwischen Ruanda, Uganda und Kongo. Und dann gibt es noch etwa
320 Berggorillas in Bwindi in Uganda. Ein ausgewachsener Gorillamann wiegt um die 230 kg, die Weibchen bis 180 kg. Mit 12 Jahren wird ein Männchen zum Silberrücken. Gorillas werden im Durchschnitt 45 Jahre alt. Die Weibchen bekommen etwa 4 bis 6 Kinder in ihrem Leben. Das erste frühestens mit 6 Jahren. Der größte Silberrücken, der hier in den Virungas lebt, wiegt 260 kg. Der Silberrücken in der Gruppe 13, die wir besucht haben, war auch ganz schön groß im Vergleich zu den Weibchen. Ein erwachsener Gorilla frisst am Tag bis zu 40 kg von den etwa 200 verschiedenen Arten von Pflanzen, daraus bezieht er 6 bis 7 l Flüssigkeit, weil Gorillas nichts trinken.
Gorilla beim Bambusfressen
Francois hat uns ein paar Blätter und ein Stück Bambusmark gegeben, was die Gorillas immer zusammen fressen, und wir durften es auch probieren. Na ja, so toll hat es mir nicht geschmeckt, aber ich bin ja auch kein Gorilla.

Nachmittags waren wir bei einer Tanzveranstaltung eingeladen. Das ganze Dorf war um einen rechteckigen Platz, wo die Tänzer auftraten, versammelt. Zuerst kamen 12 Krieger in prächtigen Gewändern mit sehr kleinen Speeren und Schildern. Sie führten so eine Art Kriegstanz auf. Ein großer Mann schlug dazu eine Trommel und die Krieger stampften im Takt, so dass die Schellen an den Fußgelenken klimperten. Manche führten einen Solotanz auf. Es war faszinierend, der Oberkörper blieb ganz steif und immer in der gleichen Position, nur die Beine und Füße bewegten sich. Es sah aus, als wäre die Schwerkraft aufgehoben, oder als ob das Oberteil nicht zum Unterteil gehörte und an einem Stöckchen über die Bühne geschoben würde.

Tänzer

Während die Krieger tanzten, sahen wir auch einen kleinen Junge, vielleicht 2 bis 3 Jahre alt. Er hatte auch einen kleinen Stock in der Hand und stampfte mit den Füßen, manchmal sogar richtig mit im Takt. Und wenn die Krieger sich bewegten und sprangen, machte er alles etwas zeitverzögert nach. Er war richtig drollig. Irgendwann kamen junge Frauen und Mädchen, die einen Tanz vorführten. Sie hatten auch schöne Kostüme an. Anschließend tanzten die Frauen zusammen mit den Kriegern. Ein Mann spielte ein Saiteninstrument, das wie eine flache, rechteckige Holzschale mit abgerundeten Ecken aussah, und dazu sang er. Wir konnten ja nichts verstehen, aber der Text muss lustig gewesen sein, weil die Zuschauer oft gelacht haben. Zum Schluss tanzten die Krieger noch einmal. Es war eine schöne Veranstaltung gewesen, die bestimmt nicht nur für uns gemacht war.

Tags darauf fuhren wir zu den Golden Monkies. Im Prinzip war der Ablauf der gleiche wie am Vortag. Wir mussten nur etwas länger laufen. Es ging durch dichtes Bambusgestrüpp und dann haben wir die Affen gesehen. Der Körper ist etwa 60 – 80 cm groß und goldbraun, sie haben lange buschige Schwänze. Von einer kleinen Lichtung aus konnten wir eine große Gruppe von vielleicht 40 – 50 Affen gut in den Bäumen beobachten. Wir konnten nur schätzen wieviele es waren, weil sie ständig in Bewegung waren und vom dichten Laub verdeckt wurden.

Am letzten Tag im Virunga Nationalpark sind wir nach Old Karisoke, der ehemaligen Station von Diane Fossey gelaufen. Es war ein langer, steiler Weg bis auf 3.000 m Höhe, und teilweise war es sehr anstrengend, weil man mit den Wanderschuhen im Matsch stecken geblieben ist. Es war trotzdem ein sehr schöner Weg. Unser Guide Felix hat uns gezeigt, wo das erste Zelt von Diane Fossey gestanden hat, wo sie ihr erstes Haus gebaut hat, wo die Häuser der Ranger und Studenten standen und das Office der Studenten, und wo man sie schließlich tot gefunden hat.
Diane Fossey Grab
Dann sind wir zum Friedhof gegangen, wo Diane Fossey begraben liegt. Sie wollte neben ihrem Freund Digit beerdigt werden, was man ihr auch erfüllt hat. Außer Digits waren dort noch weitere 20 – 30 Gorillagräber. Der ganze Ausflug hat vielleicht 6 – 7 Stunden gedauert.

Info:uganda

Das ostafrikanische Binnenland Uganda ist mit seinem Staatsgebiet von
236,040 km² ungefähr so groß wie die alten Länder der Bundesrepublik.
Ungefähr 1/5 der Fläche besteht aus Wasser.

Die Landschaft wird überwiegend geprägt von einem zwischen dem ost- und zentralafrikanischen Graben liegenden Hochbecken mit einer durchschnittlichen Höhenlage zwischen 1000 und 1300 m.

Beeindruckend sind die Mondberge:
Die Ruwenzoriberge wurden seit alters her wegen ihrer im Nebel verhangenen Bergspitzen auch "Mondberge" genannt. Schon im Altertum wurde darüber spekuliert, ob hier der Nil seinen Ursprung hat. 

Anschließend sind wir über die Grenze nach Uganda gefahren, wo unsere nächste Station für zwei Tage in der Mount Gahinga Lodge war. Das hatte den Vorteil, dass wir am nächsten Morgen nicht ganz so früh aufstehen mussten. Ich habe mit Keith eine knapp 5-stündige Naturwanderung gemacht, während Heinz mit Hannah und Vernon auf den Mount Gahinga gestiegen ist.

Der Weg war sehr schön, obwohl wir nicht viele Tiere gesehen haben, nur einige Vögel und
5 riesige Regenwürmer, etwa 30 cm lang und 3 – 4 cm dick. Es ging über weite Wiesen, durch Bambuswald und durch Laubwald. Zum Schluss haben wir noch einen Adler gesehen.

 Ruanda / Uganda Seite 2  Ruanda Uganda Seite 2 








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Texte und Fotos

© Marga Fiedler-Scholz

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