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In Rize kaufen wir
erstmal
Milch. Der Taubstumme bringt uns an eine Stelle, wo wir auf einen
großen Bus warten sollen. Als dann ein Minibüs nach Hopa und
Sarp (dem Grenzort) kommt, ist er entsetzt, dass wir einsteigen. Wir
nicht. Leider halten die beiden Typen in allen Orten alle 50 Meter,
wenn noch Platz im Wagen ist.
Es dauert, doch am
frühen Nachmittag sind wir an der Grenze. Türkischer Stempel,
50 Meter Niemandsland, georgische Kontrolle Nr. 1: Pässe weg. Zum
nächsten Fenster: je 3 USD für Computerkontrolle, mit Beleg,
Pässe wieder. Kontrolle 3: Die Frau, die ihre Fingernägel
macht, ist doch ganz nett. Wir müssen Formulare ausfüllen,
woher, wohin, wieviel welches Geld dabei, ob nuclear objects etc.
Stempel.
Kontrolle 4 schaut Pässe und diese Formulare an, sammelt
Belege ein und lässt uns gehen.
Kaffee,
Borjomi-Mineralwasser und Gebäck? Bei einer Oma wechsele ich 20
Euro in 40 Lari. Anna findet dann, statt Marshrutka (=minibüs)
sollten wir ”privat” trampen und spricht ein paar Leute an. Einer mit
PKW will 40 USD für die Fahrt nach Batumi
haben, ich handele ihn
auf 20 Lari, also etwa ein Viertel, herunter. Er fährt wie der
Henker, gelegentlich im Zickzack durch die Kühe auf der
Straße.
Schließlich Batumi, Hotel Bakuri — da habe ich vor zwei Jahren
einen Geldautomaten gefunden. Wir steigen aus bei der katholischen
Kirche (die längst mangels Katholiken orthodox ist), wo auch die
Kleinbusse nach Tbilisi fahren. Zielstrebig kommen wir in die Ecke, wo
ich vor zwei Jahren geschlafen habe. Hier muss es sein! Geht es hier
rein? Da? Neues Haus. Komisch. Aus dem Haus kommt eine junge Frau, die
sehr gut Deutsch spricht. Ich beschreibe ihr den Hinterhof. Sie
weiß nichts. Sie sind aus Tbilisi und wohnen hier in den Ferien,
gemietet. Überhaupt: hier gibt es noch zwei freie Zimmer mit je
zwei Betten… 30 Lari am Tag. Mit Dusche. Ja, nehmen wir. Eine Oma
taucht auf, die Vermieterin, und bezieht die Betten.
Wir gehen Richtung Strandpromenade, Kaffee und (endlich:) Kazbegi-Bier.
Tagebuch. Anna läuft herum, vor mir parken bewaffnete Typen.
Mafia? Dann gehen wir schwimmen. Der Strand hat zwar nur Kies, aber das
Wasser ist angenehm, eher lau.
Hunger! Wir gehen zum
großen Platz vor dem Bazar. Erinnere mich an die große
Gaststätte. Nein, Schaschlik gibt es hier nicht, nur kalt, was im
Thresen zu sehen ist. Wir wählen: 1 Teller mit gebratenem Fleisch
+ Zwiebeln, 1 Teller Tomaten- Gurken-Salat, 1 Teller mit weißem
Käse in Scheiben, 1 Teller Möhrensalat mit seltsamem Aussehen
(war toll: mit Koriander u.a.) und 1 großes Stück Brot, dazu
für Anna 1/2 Liter irgendeine Fruchtlimo und für mich 1/2
Liter Bier. Die Frau rechnet am Aba-kus: alles zusammen für 4,30!
Es schmeckt gut und ist fast zuviel. Vom Nebentisch bekomme ich ein
Bier spendiert. Anna will herumlaufen und dann ”nach Hause”. Ich bringe
dem Mann auch ein Bier und setze mich dazu. Small Talk mit Russkij,
Anglisskij, Händij und Füssij, nett und lustig.
Dann will auch ich bettwärts. Unterwegs werde ich von zwei jungen
Männern angesprochen, einer davon in Uniform. Ich will eigentlich
weiter, aber sie wollen unbedingt ein Bier mit mir trinken. Na gut, sie
bezahlen es auch. Es sind beides russische Soldaten, und als ich
versuchen will zu erfahren, was sie denn in Georgien zu suchen haben,
setzt sich ein Georgier von Nebentisch zu uns, gibt ihnen aber nicht
mir die Hand und agitiert die beiden Russen heftig an. Schimpft er auf
die Deutschen? Na, wohl eher auf die russische Politik. Die beiden
Russen kommen gar nicht zu Wort, und ich gehe, verabschiede mich von
den beiden, aber nicht von dem Georgier.
Anna sitzt auf dem Bett und schreibt. Aha, die Vermieterin hat nebenan
eine Bier- und Sonstwie-Bude. Dort sitzen Leute vor der Tür, ich
setze mich noch dazu.
Donnerstag
- 18. Juli
Trotz Kinderlärm im Vorraum erwache ich erst gegen 10:45 — na gut,
in der Türkei ist es jetzt 8:45 und in Deutschland 7:45. Anna
schläft selig. Da bemerke ich, dass ich meine Allergie bekomme:
Hautquaddeln, Rötung, es beginnt zu jucken. Nehme Tropfen, 10 Min.
später ist das Jucken vorbei, die Rötung bleibt bis zum
Abend. Durch das viele Laufen gestern in den Badelatschen habe ich mir
irgendwie die Zehen verbogen, und ein Bier zuviel war es wohl auch.
Wecke Anna. Dusche.
Kaffee
und Borjomi am gewohnten Ort. Wir brauchen Geld, also in der
Mittagshitze los. Komisch: kaum einer kennt eine Bank (später wird
klar: alles geht bar oder gar nicht). Eine Wegweisung jedenfalls ist
ungenau, wir wollen also zum Hotel Bakuri. Unterwegs kommen wir an die
Bank of Georgia, wo ich vor zwei Jahren zum Hotel geschickt worden bin.
Siehe da: hier gibt es jetzt einen Geldautomaten. Nje rabotajet.
Morgen! Wir gehen zum Hotel, aber dort gibt es keinen Automaten mehr.
Man holt einen Jüngling, der gut Englisch spricht. Bankomat? Bank
of Georgia. Ähm. Also gestern ging der Automat noch…
Im
amerikanischen
Führer stehen noch zwei weitere Banken, die eine gibt es nicht
mehr, in die andere — schick und glitsch — lässt man uns nicht
erst ein. Wahrscheinlich braucht man dafür eine Million oder eine
Pistole… Das Geld wird knapp. Tausche die letzten Dollar.
Wir gönnen uns einen verspäteten Mittagsschlaf, trinken dann
Kaffee und gehen schwimmen. Halt, vorher wollten wir noch zur Maritime
Bank am Hafen, aber die haben wir nicht gefunden bzw. wollten in der
Hitze nicht noch weiter laufen. Wir baden mehrfach gründlich und
gehen wohlgemut davon aus, dass wir morgen früh Geld bekommen, das
Quartier (2x 30 Lari) und das Marshrutka (2x 16) bezahlen können,
das ab 9 Uhr zweistündlich nach Tbilisi geht.
Erstes Packen. Hunger! Ich möchte gerne ein richtiges Schaschlik
essen, das ist schließlich der russische Name des georgischen
Nationalgerichtes. Wir gehen landeinwärts, um ein nettes,
vielleicht nicht zu teures Restaurant zu finden, wo man auch
draußen sitzen kann. Finden wir. Für uns wird die Musik
extra laut gestellt, das wäre nicht nötig gewesen. Lecker
Salat kommt: Tomaten, Gurken, Zwiebeln, reichlich Kräuter inkl.
Koriander. Dazu Brot und Getränke. Schließlich Schaschlik,
richtig am Spieß: ob sie das abmachen soll? Paschallista, bitte —
und sie müht sich reichlich. Der Spaß kostet noble 16 Lari,
ist es aber wert.
Anna möchte noch
zum
Hafen, ich lieber nach Hause, mich zu den Leuten setzen. Komme an eine
Ecke, an der ich noch nicht war, und die Straßenbeleuchtung ist
aus. Bin mir unsicher, auf welcher Achse der Planquadrat-Straßen
ich bin. Werde in eine Richtung gewiesen, auf die ich nun wirklich
nicht gekommen wäre, bis ich merke, dass ich mich dem Restaurant
wieder verdächtig nähere. Nun frage ich im Finstern gleich
zweimal nach einander nach der dummen Didibank, die bei uns ja gleich
um die Ecke ist — und erhalte identische Auskunft, natürlich
wieder in die andere Richtung. Ganz schnell bin ich da, Anna ist
mittelmäßig entsetzt und schon länger da, ihr war es zu
dunkel. Sie wollte Tagebuch schreiben, aber wir hatten das Zimmer
abgeschlossen, und hier komme ich mit dem Schlüssel. Aber mit dem
Tagebuch wird es nichts; die Straßenclique spielt ein Kartenspiel
namens Joker und weiht Anna ein. Schließlich müde ins Bett.
Nachtrag: Verabredungsgemäß am späteren Nachmittag
George Togaridze in Tbilisi angerufen, der uns ein günstiges
Appartement besorgen will. Wir melden uns wieder morgen am Nachmittag,
wenn wir in Tbilisi sind.
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Schneiderladen mit Katze in Batumi
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