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Der Kaukasus-Trip von Anna und Wieland Ulrichs - III

Freitag - 19. Juli

Wenn ... Der Wecker geht um 8, damit wir möglichst das 11-Uhr-Marshrutka bekommen. Aber Anna will noch ein bisschen dösen und stellt den Wecker auf halb Neun. Duschen, rasieren, auf dem Weg zur Bank Kaffee, erstaunlich billig.

Bank? Automat geht nicht. Jemand fährt uns nach einiger Diskussion um zwei Ecken zu einer anderen Bank, Geldautomat: verhängt. Zurück. In der Bank gibt es noch einen Schalter von Western Union, so einer Geldtransfer-Firma. Die Frau versucht es erfolglos mit Annas Eurocard-Kreditkarte, eine andere dolmetscht, noch jemand telefoniert pausenlos. Dann: Maritime Bank! Man setzt uns in ein Marshrutka, und bald sind wir bei dieser Bank, wir hätten gestern nur 10 Min. weiter gehen müssen. Einen Automaten gibt es nicht, aber mit der Kreditkarte sieht es gut aus. Damit beginnt bei mittlerweile 40 Grad ein Leid, das zu Hause bei der Sparkasse eine maximal mittelmäßig freundliche Diskussion nach sich ziehen wird und letztlich fünf Stunden dauert.

Der Bankcomputer nämlich findet, die Karte sei als verloren gemeldet. Eine hinzugeholte Dolmetscherin empfiehlt, den Karten-Notservice in Deutschland anzurufen. In der Nähe ist auch einer der vielen Telefonläden; Anna ruft dort an. Es dauert. Schließlich war Annas erste Karte auf dem Postweg verloren gegangen und von mir als solches gemeldet worden. Dies aber ist die Ersatzkarte, noch unbenutzt. Da hat in Göttingen eine minderqualifizierte Kraft die Karte gesperrt, aber eben die falsche! Sch ...impfwort.

Die Frau in Saarbrücken will sich in Göttingen erkundigen und dann hier anrufen. Warten. Ich hole Wasser und Brot. Die Telefontante bringt ein Glas. Endlich Anruf: Anna soll sich in Göttingen bei der Sparkasse bei Frau X. melden und ihr ein Fax mit Kopie von Annas Ausweis und Kreditkarte schicken. Toll: hier gibt es weder "KCEPOKC" noch Fax, das Telefonat kostet 20 Lari = 10 Euro. Wie gut, dass ich vorhin bei der Bank sicherheitshalber die letzten 50 Euro gewechselt habe, Bargeld HAT Vorzüge.



1,5 km stadteinwärts ohne Schatten und acht Telefonläden (Kennzeichen: PTT) später finden wir einen funktionierenden Kopierer, 1 Lari. 0,5 km weiter gibt es ein PTT mit Fax. Die sind ein bisschen tüdelig, holen aber von irgendwo eine Frau, die 0,3 Englisch spricht. Der Laden hat Klimaanlage, der Schweiß trocknet. Anna schreibt das Benötigte auf die Kopie einschließlich der Tel.nr., damit die aus Göttingen zurückrufen können.

30 Min. warten: kein Rückruf. Stellt sich heraus, die Vorwahl war auf dem Fax falsch angegeben - die leben hier immer noch mit der sowjetskaja Auslandsnummer 8. Also korrigieren, nochmal faxen. Das bisherige Fax war mit 3 Lari billig, dieses aber wird teurer.

Nix geht. Anna wird fuchtig und geht raus in die Hitze. Das Telefonmädel nähert sich der Krise, fummelt am Faxgerät herum und ruft mehrere Leute an. Ergebnis: Das Gerät wird heute nicht mehr funktionieren. Har, har, diese Kosten sind zur Abwechslung nicht unsere. Aber, wo jetzt faxen?? In einer Bar spendieren uns zwei Jünglinge Tee und Wasser.

Stadteinwärts. Es ist jetzt gegen 12 Uhr, in Göttingen 9 Uhr. Dafür ist es hier so heiß, dass niemand freiwillig in der Sonne stehen bleibt. 700 Meter und 5 PTT-Läden weiter gibt es ein funktionierendes Fax, aber keine Klimaanlage, und wir müssen warten, weil der Opa das Gerät nicht bedienen kann. Anna trägt die neue Rückruf-Nummer ein. Dann kommt ein dicker Onkel, der schickt das Fax ab. Ich gehe Milch kaufen, um die Schweiß-Liter zu ersetzen. Der Onkel geht, ein ganz niedliches Mädel übernimmt. Ungeahnt: ein 2-Seiten-Fax der Sparkasse Göttingen kommt. Handschriftlich-nett: Den Ausweis noch mal besser kopieren und ein Formular wegen Haftung ausfüllen und faxen. Anna ruft in Göttingen an, das ist wohl ganz nett, aber Fax muss sein. Ich gehe los, nach 10 Min. Kopierladen gefunden, längliche Diskussion, dass die Kopie ganz hell sein soll. Russkij, Händij und Füsskij mit Erfolgskij. Formular und Ausweis weg per Fax klappt. Kosten hier: 27 Lari. Dann, irre, 10 Min. später kommt wieder ein Fax: in 2,5 Stunden ist die Karte freigeschaltet, Wahnsinn, das ist hier um 15:30. Kurz vor Drei sind wir im Quartier, ich genehmige mir draußen ein köstliches kaltes Kazbegi Bier, Anna isst Melone. 1 Std. Mittagsschlaf, dann ruckzuck planmäßig Kaffee, Marshrutka zur Bank, wo es länglich dauert. Gar unsere Vermieterin taucht mit einem Mann auf, um uns zu helfen, was dafür sorgt, dass wir vorgedrängelt werden. Es klappt!! Plötzlich haben wir 500 Lari!

Marshrutka 5 km stadtauswärts zum Bahnhofwg. Nachtzug nach Tbilisi. Komisch, George in Tbilisi ist immer noch nicht zu erreichen, geht nicht ans Telefon. Bahnhof? Gibt es nicht. Hinter Limo- und Bierbuden ist eine Art Bahnsteig, dort steht schon der Schlafwagenzug. Schaffner lungern herum, drei kümmern sich um uns. Um 22 Uhr geht es los, halbe Stunde vorher da sein, es kostet 8 Lari, für uns ist jetzt reserviert.

Marshrutka ins Zentrum, zum Quartier, kurz Baden am Strand, Duschen, Quartier bezahlen, Abschied, mit Gepäck zum Marktplatz. Dort essen wir noch mal nobel in der "Marktkneipe" für 4,80 Lari. Mann! und der Mist mit der Kreditkarte hat rund 60 Lari, 30 Euro gekostet. Für das Meiste haben wir Quittungen. Mal sehen, was die Sparkasse sagt. Anna will die Bank wechseln ... Marshrutka zum "Bahnhof'. Der Zug fährt um 20:08, es ist unglaublich heiß und stickig, ich schreibe Tagebuch, und Anna unterhält sich mit den netten Mitreisenden auf Russkij-Germanskij-Anglisskij etc.skij über dieses und jenes. Musik läuft. Es ist 0:30, und ich habe jetzt keine Lust mehr.














































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