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Der Jakobsweg:
Pilgerpfad nach Santiago und die Musik dazu
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Der Pilgerpfad nach Santiago und die Musik dazu - Sommer 1997
Wieland Ulrichs:
Wieland Ulrichs
Er lebt in Göttingen und ist staatl. geprüfter Musikerzieher mit vielfältigen Interessen, diversen Musikprojekten und zahlreichen Veröffentlichungen. Geboren wurde er 1951 in Melsungen.

Weitergehende Informationen finden Sie auf
www.wieland-ulrichs.de

Im Sommer 1997 erfüllte ich mir zusammen mit meinem Sohn einen alten Traum, nämlich einmal zumindest ungefähr entlang des Jakobspfades nach Santiago de Compostela zu reisen. Nicht, dass uns Religiosität trieb; wir hatten auch nicht vor, den ganzen Weg zu wandern oder uns unablässig zu geißeln. Mehr interessierte uns der Umstand, dass entlang des Weges Baudenkmäler wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht sein sollten - und überhaupt die Jakobspilgerei als kulturgeschichtlicher Meilenstein Europas.

Texte und Fotos © Wieland Ulrichs

Die zu großen Teilen dubiose Jakobslegende finden Sie hier
Ob man die Legende nun glaubt oder nicht: die Reise war beeindruckend, Musik dazu gibt es reichlich, und obwohl wir uns im wesentlichen im Norden Spaniens aufhielten: der arabische Einfluss zu früheren Zeiten ist nicht zu leugnen und - wider Erwarten - auch bei uns allgegenwärtig. Ansonsten war die Reise ein Seh-Erlebnis ersten Ranges und privat auch ein nettes "Vater-und-Sohn-Ereignis" .

Amüsant ist auch die Die Legende von Santo Domingo de la Calzada.
"Es war einmal vor etlichen hundert Jahren, dass sich ein Ehepaar mit seinem herangewachsenen Sohn auf die Pilgerreise nach Santiago de Compostela machte. Dabei kehrten sie in Santo Domingo de la Calzada in einer Herberge ein. Die herangereifte Tochter des Wirtes fand großen Gefallen an dem schmucken Pilgerjüngling ...


1291 eroberten die Mohammedaner die letzten christlichen Besitzungen in Palästina, womit die alptraumhaften Kreuzzüge ein Ende hatten. Und damit waren Kapazitäten frei, um den Kampf gegen die Mauren alias Araber in Spanien zu intensivieren. Rachegelüste mögen eine Rolle gespielt haben; dabei erlebte Spanien unter der Maurenherrschaft eine ungeahnte kulturelle Blüte, die es möglicherweise nie wieder erreichte. Moslems, Juden und Christen lebten jedenfalls in liberaler Ordnung. Insofern gehört die Ära der Kreuzzüge zur Vorgeschichte. Eine reizvolle und kompetente musikalische Behandlung findet sich hier:
Alla Francesca: Richard Coeur de Lion - Troubadoures et trouveres
Bemerkungen zur Reise

D
ie Anreise nach Spanien haben wir mit einem Transportmittel gemacht, das uns neu war, nämlich mit Langstreckenbussen, die ein verzweigtes Liniennetz quer durch Europa bedienen. Obwohl kostengünstig und luxuriös ausgestattet, mussten wir das Einschlafen erst erlernen. Wer sich dafür interessiert, frage bei Reisebüro oder Busbahnhof nach Deutsche Touring/Eurolines.

Aus verschiedenen Gründen machten wir einen Umweg über San Sebastian/Donostia irn Baskenland, um dann in Pamplona auf den Pilgerpfad zu stoßen. Als Führer hatten wir von Ulrich Wegner "Der Spanische Jakobsweg" (DuMont Köln 1995) mit Karten, Einführung in die Geschichte, Stadtrundgängen usw. Von unseren vielen Fotos bringe ich nur einige, schließlich soll der Beitrag nicht zum erschöpfenden Bericht ausufern. Dennoch hier einige allgerneine Bemerkungen.
Estella
Estella

Das Reisen per Anhalter entpuppte sich als zunehmende Katastrophe. Überlandbusse sind kostengünstiger als die Bahn; mancherorts sind allerdings die Haltestellen nicht gekennzeichnet, da hilft nur fragen, allerdings haben wir auch falsche Auskünfte bekommen. Wegen Sohn Lorenz, 12, gab es öfters die Diskussion, ob er nun über oder unter dem Preislimit sei; leider konnte ich meine sparsame Ansicht nicht immer durchsetzen.
Kommen wir nach Spanien! Mozarabisch, also nicht-arabisch oder besser "arabisiert" nannte man die spanischen Christen unter arabischer Herrschaft. Ihre Liturgien waren älter als die maurische Zeit und stammen aus der Zeit der Westgoten (466-711), weshalb man auch vom altspanischen oder westgotischen Gesang spricht. Eine CD bedient sich aus Manuskripten einer Renaissance des Stils in Toledo um 1500:
Ensemble Organum: Chant mozarabe Harmonia Mundi HMC 901519 (Helikon)

Eine etwas bunt zusammengestellte CD stimmt uns auf die Volksmusiken aus Spaniens Norden entlang des Kantabrischen Gebirges ein:
Verschiedene: Espagne septentrionale

Von Pamplona ging es nach Puente la Reina, wo - wie der Name andeutet - eine navarrische Königin im 11. Jahrhundert eine Brücke für die Pilger bauen ließ, was für eine kleine Ansiedlung sorgte mit Kirchen, Hospizen und Adelshäusern, die sehenswert ist. Das spanische Bundesland Navarra ist übrigens zur Hälfte von Basken bewohnt.
Estella
Danach fuhren wir nach Estella, Anfang des 12. Jahrhunderts gegründet, wo sich ein geheimnisvoller Stern (lat. Stella) gezeigt haben soll.
Überhaupt: Der auf der Jakobslegende basierende Pfad wurde legenden- technisch bald zum Selbstläufer, gab es doch allerorten verkehrsfördernde Heilige, Erscheinungen usw., die zu weiteren Legenden wurden. In Estella gab es für uns die ersten Feigen zu klauen (die grünen sind nicht so furchtbar süß wie die ganz reifen), wir genossen die kleine Stadt mit der Überdosis von Kirchen und besuchten in einer Ecke des großen Platzes eine CD- und Buchhandlung, die in Sachen Folklore recht gut sortiert war. In den Zeitungen wurde gerade die altbekannte baskische Folkgruppe Oskorri anlässlich 20-jährigen Bestehens gefeiert, wir jedoch kauften eine Kassette, die uns ein junger Einheimischer empfohlen hatte:
Ibon Koteron & Kepa Junkera: Leonen Orroak 

Von Estella unternahmen wir einen Ausflug zum Monasterio Santa Maria de Irache, welches eine moderne Weinkellerei betreibt. An dieser gibt es eine Fuente de vino, eine Quelle mit Hähnen für Wasser und Wein, damit sich die Pilger laben können, die zugleich auf einer Tafel vor Missbrauch gewarnt werden. Im 958 erstmals erwähnten Kloster wurde umgebaut, doch wegen Siesta war niemand da. Die ausgeräumte mozarabische Kirche aus dem 12./13. Jahrhundert war für mich ein Erlebnis: so hell und freundlich hatte ich noch keine Kirche empfunden.

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