Von Logroño bis
Burgos brauchten wir zweiTage - keine 120
Kilometer, dafür aber stundenlanges Trampen bei 38 Grad im
Schatten, allerdings ohne Schatten. Zwischendurch machten wir Station
in Santo Domingo de la Calzada. Dieser heilige Dominik hatte im 11.
Jahrhundert eigentlich Einsiedler werden wollen, doch nach
seiner Grundausbildungung als Mönch beschloss er, die
Pilgerwege zu
verbessern. Calzada ist der
befestigte Weg, und diesen Zusatz
tragen viele andere
Orte entlang des Jakobsweges.
Der Wegebaumönch wurde
natürlich angemessen in einer sehenswerten Kathedrale
begraben, in der sich aufgrund einer Zusatzlegende ein -
Hühnerstall befindet. Leider war der nicht sonderlich fotogen.
Überhaupt gibt es eine Reihe typischer Ortsnamen entlang des
Pilgerweges. Villafranca de XY
etwa deutet darauf hin, dass
dieser Ort von Franken besiedelt wurde, womit allgemein die Fremden aus
dem Osten gemeint waren. Da Gefahr gleichermaßen von
irgendwelchen Räuberbanden wie von den einiges weiter
südlich
lebenden Mauren drohte, waren Befestigungen angesagt, die man
indogermanisch burgo nannte.
Der Name Burgos in Kastilien, ehemals Königssitz, deutet also
darauf hin, dass hier gleich mehrere ausländische "Kolonien"
bestanden. Dementsprechend wirkt die Altstadt wie ein multikulturelles
Baustil-Museum mit romanischen Bauten wie auch üppig
barocken, strengeren Renaissance-Gebäuden und natürlich
gotischen in unterschiedlichsten Versionen: deutsch, französisch,
französisch-spanisch und isabellinisch, womit der
spätgotische spanische Ornamentstil des 15. Jahrhunderts gemeint
ist. Danach kam übrigens noch der platereske: Dekorationen im
flachen Relief nach Art der ursprünglich arabischen Silberschmiede
(daher der Name), die sich auf Altare, Portale usw.
beschränkten.
Ähnlich vielfältig und dennoch sehr ausgewogen ist die 1221
begonnene große Kathedrale von
Burgos, in der man getrost mehrere Tage verbringen kann. Dort
kauften wir die CD der Gruppe "Einfaches Lied", die sich der
traditionellen religiösen Musik der Region verschrieben hat und
diese mit Gesang a capella und zu Flöten, Gitarren, Drehleiern,
Ud, Perkussion und einmal Orgel aufführt: Cantollano: Ya
tornean las campanas ... 
Gleich neben der Kathedrale ist übrigens die Kirche San Nicohis
mit einem überdimensionierten isabellinischen
Alabasterretabel, soll heißen: Steinaltar aus dem Jahre 1505. Der
stammt von einem Francisco de Colonia alias Simon von Köln.
Am Fluss entlang
führt
die Avenida del General Franco, womit
natürlich der
weiland Diktator gemeint ist. Auch in anderen Orten und Regionen,
sogar in Galicien gibt es nach ihm benannte Straßen -
erstaunlich,
dass die neue spanische Demokratie bei aller Liberalität solche
Bezeichnungen nicht über Bord geworfen hat. In der Nähe des
Bahnhofs
ist ein teilweise leerstehendes, teilweise anders genutztes
Kasrnengelände: hier hatte Franco während des
Bürgerkriegs (1936- 39)
sein Hauptquartier. Das immerhin brachte der ehemaligen Residenz
einen Aufschwung - heute ist Burgos eine große, pulsierende
Stadt, die
im alten Zentrum Geschichte atmet und erschreckend viele Bankfilialen
aufweist. Doch bevor ich das reflektiere, hören wir uns lieber
eine CD
mit Liedern aus dem Bürgerkrieg an, gemeint sind
republikanische: Verschiedene: Cantos
de la guerra de España ...
Von Burgos nahmen wir
einen
Bus nach Sahagún (sprich:
Ssa-a-gún), das
für seine mudejaren Kirchen bekannt ist. Bei der
Bushaltestelle
hängten wir einen nassen Schlafsack und ein nasses Zelt über
einen
Zaun, da uns in Burgos ein unglaubliches Gewitter erfrischt hatte. Bei
der Suche nach den Zentrum begegneten uns viele Leute, die offenbar
ungeheure Mengen eingekauft hatten. Siehe da, es war Markttag, und auf
einem Platz saß auf einer überdachten Plattform ein
Blasorchester, das
dann auch bald anfing - mit "Yesterday". Dann gab es ein paar
Samba-Verschnitte, wie sie überall im Radio zu hören
waren, und
immerhin ein bisschen Traditionelles, alles ein wenig schräg, wie
man
es von einer richtigen Kleinstadtpfeife erwarten darf. Die vielen
Marktstände waren lebhaft besucht. Einem Plakat entnahmen
wir, dass
heute der "Tag des Pilgers" war - mit 30 Minuten Blasmusik und abends
einer Stadtführung. Wir gingen zur mudejaren Kirche San
Lorenzo,
hielten Siesta auf einem Schulhof und nahmen dann den Zug nach
León.
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