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Der Jakobsweg:
Pilgerpfad nach Santiago und die Musik dazu
Teil II
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Der Pilgerpfad nach Santiago und die Musik dazu - Teil II

     Camino Francés - der klassische Jakobsweg
 Jakobsweg
      von den Pyrenäen nach Santiago


Mudejarer Kirchturm in LogroneAls nächstes kamen wir nach Logroño, der Hauptstadt des kleinsten Bundeslandes La Rioja (vom Fluss Rio Oja) am Ebro, den wir auf der von Gustave Eiffel erbauten Stahlbrücke überquerten. Die Landschaft war recht seltsam; die Berge sahen fast wie Abraumhalden aus. In La Rioja wie auch in Kastilien sieht man solche häufig; sie verdanken ihre Entstehung der Tatsache, dass vor Urzeiten diverse Flüsse mehrfach ihre Richtung geändert haben. Von der Landstraße aus sahen wir trickreiche Bewässerungskanäle; Vorläufer dazu hatten bereits die Araber angelegt. Auf dem Turm der Kathedrale nisten Störche, die hier wie im alten Königreich León sehr häufig sind. Da Sohn Lorenz wie auch ich noch Bartholomäus mit Vornamen heißen, mussten wir natürlich noch zur Kirche San Bartolomé mit dem mudejaren Kirchenturm, Pisa-Faktor inklusive. Mudejaren waren Araber in christlichen Diensten; sie wurden als Handwerker und Baumeister hochgeschätzt. Typisch für sie sind Backsteinbauten, häufig mit huteisenförmigen Bögen.


Von Logroño bis Burgos brauchten wir zweiTage - keine 120 Kilometer, dafür aber stundenlanges Trampen bei 38 Grad im Schatten, allerdings ohne Schatten. Zwischendurch machten wir Station in Santo Domingo de la Calzada. Dieser heilige Dominik hatte im 11. Jahrhundert eigentlich Einsiedler werden wollen, doch nach seiner Grundausbildungung als Mönch beschloss er, die Pilgerwege zu verbessern. Calzada ist der befestigte Weg, und diesen Zusatz tragen viele andere Orte entlang des Kathedrale von BurgosJakobsweges. Der Wegebaumönch wurde natürlich angemessen in einer sehenswerten Kathedrale begraben, in der sich aufgrund einer Zusatzlegende ein - Hühnerstall befindet. Leider war der nicht sonderlich fotogen. Überhaupt gibt es eine Reihe typischer Ortsnamen entlang des Pilgerweges. Villafranca de XY etwa deutet darauf hin, dass dieser Ort von Franken besiedelt wurde, womit allgemein die Fremden aus dem Osten gemeint waren. Da Gefahr gleichermaßen von irgendwelchen Räuberbanden wie von den einiges weiter südlich lebenden Mauren drohte, waren Befestigungen angesagt, die man indogermanisch burgo nannte.

Der Name Burgos in Kastilien, ehemals Königssitz, deutet also darauf hin, dass hier gleich mehrere ausländische "Kolonien" bestanden. Dementsprechend wirkt die Altstadt wie ein multikulturelles Baustil-Museum mit romanischen Bauten wie auch üppig barocken, strengeren Renaissance-Gebäuden und natürlich gotischen in unterschiedlichsten Versionen: deutsch, französisch, französisch-spanisch und isabellinisch, womit der spätgotische spanische Ornamentstil des 15. Jahrhunderts gemeint ist. Danach kam übrigens noch der platereske: Dekorationen im flachen Relief nach Art der ursprünglich arabischen Silberschmiede (daher der Name), die sich auf Altare, Portale usw. beschränkten.
Ähnlich vielfältig und dennoch sehr ausgewogen ist die 1221 begonnene große Kathedrale von Burgos, in der man getrost mehrere Tage verbringen kann. Dort kauften wir die CD der Gruppe "Einfaches Lied", die sich der traditionellen religiösen Musik der Region verschrieben hat und diese mit Gesang a capella und zu Flöten, Gitarren, Drehleiern, Ud, Perkussion und einmal Orgel aufführt: Cantollano: Ya tornean las campanas ...
Gleich neben der Kathedrale ist übrigens die Kirche San Nicohis mit einem überdimensionierten isabellinischen Alabasterretabel, soll heißen: Steinaltar aus dem Jahre 1505. Der stammt von einem Francisco de Colonia alias Simon von Köln.

Am Fluss entlang führt die Avenida del General Franco, womit natürlich der weiland Diktator gemeint ist. Auch in anderen Orten und Regionen, sogar in Galicien gibt es nach ihm benannte Straßen - erstaunlich, dass die neue spanische Demokratie bei aller Liberalität solche Bezeichnungen nicht über Bord geworfen hat. In der Nähe des Bahnhofs ist ein teilweise leerstehendes, teilweise anders genutztes Kasrnengelände: hier hatte Franco während des Bürgerkriegs (1936- 39) sein Hauptquartier. Das immerhin brachte der ehemaligen Residenz einen Aufschwung - heute ist Burgos eine große, pulsierende Stadt, die im alten Zentrum Geschichte atmet und erschreckend viele Bankfilialen aufweist. Doch bevor ich das reflektiere, hören wir uns lieber eine CD mit Liedern aus dem Bürgerkrieg an, gemeint sind republikanische: Verschiedene: Cantos de la guerra de España ...

Von Burgos nahmen wir einen Bus nach Sahagún (sprich: Ssa-a-gún), das für seine mudejaren Kirchen bekannt ist. Bei der Bushaltestelle hängten wir einen nassen Schlafsack und ein nasses Zelt über einen Zaun, da uns in Burgos ein unglaubliches Gewitter erfrischt hatte. Bei der Suche nach den Zentrum begegneten uns viele Leute, die offenbar ungeheure Mengen eingekauft hatten. Siehe da, es war Markttag, und auf einem Platz saß auf einer überdachten Plattform ein Blasorchester, das dann auch bald anfing - mit "Yesterday". Dann gab es ein paar Samba-Verschnitte, wie sie überall im Radio zu hören waren, und immerhin ein bisschen Traditionelles, alles ein wenig schräg, wie man es von einer richtigen Kleinstadtpfeife erwarten darf. Die vielen Marktstände waren lebhaft besucht. Einem Plakat entnahmen wir, dass heute der "Tag des Pilgers" war - mit 30 Minuten Blasmusik und abends einer Stadtführung. Wir gingen zur mudejaren Kirche San Lorenzo, hielten Siesta auf einem Schulhof und nahmen dann den Zug nach León.
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